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Friss ihn,
Croc!
Der tut nichts, der will nur spielen.
Okazakis Werk spiegelt perfekt den Zeitgeist der
1990er Jahre in Japan. Individualismus und Kapitalis-
mus waren auf dem Vormarsch, zugleich fühlten sich
die Menschen leer und alleingelassen. Frauen sahen
sich plötzlich als „Material Girls”.
Aber „Arbeit ist auch Liebe”, sagt Okazaki. „Liebe.
Ja, Liebe. Liebe ist nicht nur warm, nett und zärtlich,
sie ist auch ein starkes, beängstigendes, grausames
Monster. Genau wie der Kapitalismus.“
Die Farbe Pink ist das Symbol für diese neue Weib-
lichkeit zwischen Barbie und Sado-Maso-Jobs. Davon
erzählt Kyoko Okazaki mit einem unbekümmerten
Humor, der trotzdem
zeitweise ans Tragiko-
mische grenzt.
Und wenn ihr alles
über den Kopf wächst,
setzt Yumiko sich hin
und lackiert sich in al-
ler Ruhe die Fußnägel.
In Pink.
Außen traditionell, innen pink!
Kyoko Okazaki, geboren 1963 in Setagaya, To-
kio, veröffent lich te ihren ersten erotischen Manga
1983 in einem Männermagazin. Ihr Buch River‘s
Edge um einen schwulen Schüler wurde 2018 von
Isao Yukisada verfilmt. 1996 fuhr ein betrunkener
Autofahrer sie an, und seitdem hat sie nichts mehr
veröffentlicht. Für Helter Skelter bekam sie 2003
den Preis für Exzellenz auf dem Japan Media Arts Festival und
2004 den Osamu-Tezuka-Kulturpreis.
Ausgabe Nr. 71 / 2026
ERSCHEINT MAI
Pink k
Szenario & Zeichnung: Kyoko Okazaki
256 S. | Klappenbroschur | s/w | 15x21 cm
€ 16,95 | ISBN 978-3-96582-235-1
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