Page 12 - s&l magazin Nr. 72 Juli 2026
P. 12
Alles sieht nach normalem, quälenden Alltag aus
in der Anstalt für schwer erziehbare Mädchen, mit
kleinen Gemeinheiten auf dem Flur und Raufe-
reien hinter der Sporthalle, wenn die Lehrer mal
nicht hinsehen. Da ertönt der Alarm…
…und drei Minuten später ist nichts mehr wie zu-
vor. Die Lehrer und die meisten Schülerin-
nen können sich retten, doch eine kleine
Gruppe von etwa 30 Mädchen schafft es
nicht rechtzeitig und ist nun auf sich ge-
stellt – eingeschlossen durch das „Ereignis“.
Niemand weiß genau, was das eigentlich ist,
außer dass es tödliche Folgen hätte, wenn
man jetzt nach draußen ginge.
Ähnlich wie bei „Herr der Fliegen“ (Lord of
the Flies) von William Golding oder neu-
erlich bei der Reihe „Maze Runner“ und
der Serie „The 100“, stehen auch in YON
die sozialen Beziehungen im Vorder-
grund und vor allem die Dynamik zwi-
schen den verschiedenen Lagern, die sich
schnell formieren.
Einerseits schweißt die äußere Bedrohung
zusammen, man tröstet sich, man malt
und spielt mit einander, man ist solidarisch.
Die Kleinen dürfen kochen und backen und
überhaupt helfen. Aber schon die Rettung ei-
niger Mädchen, die möglicherweise vom Ereignis
„kontaminiert“ sein könnten, wird zur Zerreißprobe,
zu einem verzweifelten „Wir gegen die”.
Trotz der teils sehr jungen Protagonistinnen werden
diese Geschichten natürlich für Erwachsene erzählt
und als Leser entdeckt man peinliche Parallelen im
12

